ABS und Partner entwickeln bedingt unbemannte Brücke

17 Juni 2026
(Von links nach rechts): Patrick Ryan, Senior Vice President und Chief Technology Officer von ABS; HunHee Lee, Senior Engineer bei HD HHI; DoHoon Kim, Executive Vice President und Chief Operating Officer von Polaris Shipping; und Jaeho Kang, CEO von Avikus, auf der Posidonia 2026 (Quelle: ABS)
(Von links nach rechts): Patrick Ryan, Senior Vice President und Chief Technology Officer von ABS; HunHee Lee, Senior Engineer bei HD HHI; DoHoon Kim, Executive Vice President und Chief Operating Officer von Polaris Shipping; und Jaeho Kang, CEO von Avikus, auf der Posidonia 2026 (Quelle: ABS)

ABS, Polaris Shipping, HD Hyundai Heavy Industries (HHI) und der Anbieter autonomer Navigationslösungen AVIKUS haben eine Vierparteien-Konzeptstudienvereinbarung zur Implementierung einer bedingt unbemannten Brücke unterzeichnet.

Im Rahmen der Vereinbarung werden die Parteien gemeinsam ein autonomes Navigationskonzept entwickeln, das den unbemannten Brückenbetrieb während Hochseereisen auf einem der 325K Very Large Ore Carriers (VLOCs) von Polaris Shipping ermöglicht, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.

Das Konzept sieht keinen vollständig unbemannten Betrieb während der gesamten Reise vor. Vielmehr handelt es sich um ein stufenweises autonomes Navigationskonzept, bei dem die Brücke nur unter bestimmten, risikoarmen Bedingungen, wie beispielsweise bei der Passage auf offener See, unbemannt bleibt. Im Einklang mit der Entwicklung des IMO-Codes für autonome Seeschiffe (MASS) gilt das Konzept branchenweit als die realistischste Form des autonomen Schiffsverkehrs, die in naher Zukunft eingesetzt werden kann.

Patrick Ryan, Senior Vice President und Chief Technology Officer von ABS, erklärte: „Die technische Komplexität des Konzepts liegt nicht in einem einzelnen System, sondern in den Wechselwirkungen zwischen autonomer Navigation, Schiffsdesign und den Bedingungen während der unbemannten Brückenphasen. ABS wird eine strukturierte Sicherheitsbewertung durchführen, die Gefahrenidentifizierung, funktionale Sicherheitsanalyse und die Übereinstimmung mit dem IMO MASS-Code einbezieht, um ein klares, evidenzbasiertes Bild des Konzepts der unbemannten Brücke zu erhalten.“

DoHoon Kim, COO von Polaris Shipping, sagte: „Die 325K VLOC mit ihrem hohen Anteil an Fahrten auf offener See ist ein geeignetes Ziel für das Konzept der unbemannten Brücke.“ Er fügte hinzu: „Wir planen, anhand realer Betriebsdaten die Grenze zwischen menschlichen und automatisierten Operationen quantitativ zu definieren.“

Sangsik Yoon, Senior Vice President von HHI, sagte: „Die Implementierung einer unbemannten Brücke erfordert eine integrierte Überprüfung aller Schiffssysteme. Mit dieser Vereinbarung werden wir daran arbeiten, die Designrichtung des Schiffes festzulegen, die autonome Navigationskonzepte widerspiegelt.“

Jaeho Kang, Co-CEO von AVIKUS, sagte: „Das Konzept der unbemannten Brücke dürfte die erste Form der autonomen Schifffahrt sein, die im Rahmen des IMO MASS Code auf den Markt kommt.“ Er fügte hinzu: „Das aus dieser Studie abgeleitete Betriebskonzept und die technischen Anforderungen werden in die Weiterentwicklung unseres autonomen Navigationssystems einfließen.“

Im Rahmen der Vereinbarung wird Polaris Shipping das Betriebsprofil ihrer 325.000 VLOC-Flotte überprüfen und quantitative Parameter auf Basis realer Besatzungsabläufe, einschließlich menschlicher Reaktionszeiten, ableiten. AVIKUS wird das Betriebskonzept des für eine unbemannte Brücke erforderlichen autonomen Navigationssystems sowie die entsprechenden technischen Anforderungen definieren. HHI wird auf Grundlage des resultierenden Konzepts Schiffsdesignänderungen ermitteln und die zugehörigen Konstruktionszeichnungen prüfen. ABS wird das Konzept unabhängig aus sicherheits- und aufsichtsrechtlicher Sicht überprüfen, Abweichungen von geltenden Vorschriften und Normen identifizieren und die Ergebnisse zusammenfassen.

Die vier Parteien werden das Konzept anschließend durch iterative Überprüfungen aus Sicherheits-, Konstruktions- und Betriebssicht verfeinern, um die identifizierten Lücken zu schließen. Die finalen Ergebnisse werden in Form einer technischen Publikation zusammengefasst, und die ermittelten Technologielücken werden in die jeweiligen Roadmaps für autonome Navigationssysteme und Schiffskonstruktionen der Parteien einfließen.

Mit dieser Konzeptstudie wollen die vier Parteien die technische und operative Bereitschaft für eine unbemannte Brücke schaffen, die voraussichtlich das erste autonome Schifffahrtskonzept sein wird, das den kommerziellen Einsatz erreicht.

Kategorien: Marineausrüstung, Navigation