Michael Carter und Steven Henderson wuchsen gemeinsam in North Carolina auf, besuchten zusammen die United States Merchant Marine Academy (USMMA) und gründeten vor Kurzem gemeinsam Fleet Zero, ein Unternehmen, das modulare, containerbasierte Batterietechnologie zur Elektrifizierung von Frachtschiffen entwickelt. Zum Zeitpunkt des Interviews hatte das Unternehmen rund 60 Millionen US-Dollar an Finanzmitteln eingeworben, beschäftigt 40 Mitarbeiter und eröffnete kürzlich eine neue Produktions- und Forschungseinrichtung in Houston, wo es in diesem Jahr Batterien mit einer Kapazität von 300 MWh produzieren will.
In der Schifffahrtsbranche gibt es ein bekanntes Bild: eine traditionsbewusste, veränderungsresistente und neuen Technologien gegenüber vorsichtige Branche. Doch immer wieder taucht ein Unternehmen auf, das nicht nur den Status quo infrage stellt, sondern auch die zugrunde liegenden Annahmen, auf denen er basiert, hinterfragt.
Genau an diesem Punkt befindet sich FleetZero heute.
FleetZero wurde 2021 von den langjährigen Freunden Mike Carter und Steven Henderson, beide Absolventen der United States Merchant Marine Academy, gegründet und hat den Sprung von der Idee zur Marktreife geschafft. Mit rund 40 Mitarbeitern, einem eingeworbenen Kapital von 60 Millionen US-Dollar und dem Plan, jährlich 300 MWh Batterien am neuen Hauptsitz in Houston zu produzieren, expandiert das Unternehmen rasant.
Aber die eigentliche Geschichte besteht nicht nur aus den Zahlen. Es ist die These.
Die Orthodoxie des „Zukunftstreibstoffs“ in Frage stellen
Die Ursprünge von FleetZero reichen bis in die Anfänge der Pandemie zurück, als Carter und Henderson begannen, eine in der Branche vorherrschende Annahme in Frage zu stellen: dass die Zukunft des Schiffsantriebs durch alternative Kraftstoffe wie Ammoniak oder Methanol bestimmt werden würde.
„Wir haben es einfach nicht abonniert“, erklärt Carter.
Statt dem Mainstream zu folgen, wählten die beiden einen verblüffend einfachen Weg: Sie analysierten die Zahlen. Sie untersuchten Treibstoffwege, Schiffsbetrieb und reale Daten, darunter das Verhalten von AIS und Ladungsprofile. Ihre Ergebnisse stellten herkömmliche Denkweisen auf den Kopf.
Sie kamen zu dem Schluss, dass der Batterieantrieb nicht nur praktikabel, sondern im Vergleich zum Dieselantrieb bei verschiedenen Schiffsklassen, darunter Tanker, Massengutfrachter und Containerschiffe, sogar kosteneffizient sein könnte.
Der Haken? Die bestehenden Batteriesysteme sind für diese Aufgabe nicht ausgelegt.
Steven Henderson (L) und Michael Carter wuchsen gemeinsam in North Carolina auf, besuchten gemeinsam die United States Merchant Marine Academy (USMMA) und gründeten vor Kurzem gemeinsam Fleet Zero, ein Unternehmen, das modulare, containerisierte Batterietechnologie zur Elektrifizierung von Frachtschiffen entwickeln will.
Bilder mit freundlicher Genehmigung von FleetZero
Leviathan: Gebaut von Seeleuten, für Seeleute
FleetZeros Antwort darauf ist sein Flaggschiffprodukt, das modulare Batteriesystem Leviathan – eine speziell für maritime Umgebungen entwickelte Plattform. Carter beschreibt den Ausgangspunkt unmissverständlich: „Die Systeme, die wir uns angesehen haben, waren weder günstig noch sicher genug.“
Leviathan hat sich zum Ziel gesetzt, beide Probleme zu lösen.
Das System bietet laut Carter etwa die doppelte Energiedichte zu halben Kosten im Vergleich zu konkurrierenden Schiffsbatterielösungen – eine Kombination, die er als „enormen Durchbruch“ für die Elektrifizierung von Schiffen bezeichnet.
Kernstück ist die Lithium-Eisenphosphat-Technologie (LFP), eine von Natur aus sicherere Alternative zu Nickel-basierten Batterien. Hinzu kommen firmeneigene Verpackungsmaterialien, die die Energiedichte maximieren, ohne Kompromisse bei der Sicherheit einzugehen. Das Ergebnis ist ein System, das nicht nur gesetzliche Vorgaben erfüllt, sondern auch den Bedürfnissen von Seeleuten gerecht wird.
„Wir würden uns sehr wohl dabei fühlen, darauf zu schlafen, während wir segeln“, sagt Carter.
Das ist keine Marketingsprache, sondern Designphilosophie.
Systemisches Denken: Bühne frei für „Kraken“
Wenn Leviathan der Motor ist, dann ist FleetZeros kommendes Kraken-System das verbindende Element.
Kraken ist eine kompakte Integrationsplattform, die Batteriestränge miteinander verbindet und gleichzeitig den Platzbedarf für Schaltanlagen und elektrische Infrastruktur drastisch reduziert. Der Vorteil ist zweifach: eine höhere Gesamtenergiedichte des Systems und geringere Integrationskosten.
Platz an Bord eines Schiffes ist stets kostbar. Durch die Miniaturisierung der elektrischen Architektur verbessert FleetZero nicht nur die Leistung, sondern macht Elektrifizierungsprojekte auch aus konstruktiver und wirtschaftlicher Sicht realisierbarer.
Das System bietet laut Carter etwa die doppelte Energiedichte zu halben Kosten im Vergleich zu konkurrierenden Schiffsbatterielösungen – eine Kombination, die er als „enormen Durchbruch“ für die Elektrifizierung von Schiffen bezeichnet.
Bild mit freundlicher Genehmigung von FleetZero
Houston: Eine strategische Basis für Skalierung
Die Entscheidung von FleetZero, den Hauptsitz in Houston anzusiedeln, ist kein Zufall. „Es ist eine der wenigen Städte in Amerika, in denen wirklich etwas bewegt wird“, sagt Carter. Mit dem Hafen von Houston, dem Energiesektor, dem Ingenieurnetzwerk der NASA und einem großen Pool an Elektrikern und Experten für Energiesysteme bietet die Stadt eine seltene Kombination aus maritimer, industrieller und elektrotechnischer Expertise.
Von dieser Basis aus bereitet FleetZero die Ausweitung der Produktion vor und setzt gleichzeitig die Forschung und Entwicklung an seinen anderen Standorten in Alabama und Montreal fort.
Jenseits von Batterien: Schiffbau neu denken
Am faszinierendsten ist vielleicht FleetZeros langfristiges Ziel, nicht nur Schiffe anzutreiben, sondern die Art und Weise, wie sie gebaut werden, grundlegend zu überdenken.
Das Unternehmen erforscht modulare Rumpfkonstruktionskonzepte, die an die Effizienz der Liberty-Schiffe aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs anknüpfen, jedoch mit modernen Fertigungstechniken, einschließlich Vorfertigung und dezentraler Produktion, aktualisiert werden.
Man stelle sich Rumpfsektionen vor, die im Landesinneren gefertigt – möglicherweise sogar „gedruckt“ – und zur Montage an Werften an der Küste transportiert werden. Es befindet sich noch in der Anfangsphase, aber es deutet auf eine umfassendere Vision hin: die Elektrifizierung als Teil eines größeren industriellen Wandels.
Betrachtet man die Entwicklung des Unternehmens im Ganzen, so geht es bei FleetZero nicht nur um Batterien. Es geht darum, Annahmen in einer Branche in Frage zu stellen, die diese lange als unumstößliche Wahrheiten akzeptiert hat.
Die zentrale Branchenerkenntnis des Unternehmens – dass Schiffe nicht permanent mit maximaler Leistung fahren und sich die Wirtschaftlichkeit von Batterien dramatisch verändert hat – mag im Nachhinein offensichtlich erscheinen. Doch gerade diese übersehenen Tatsachen eröffnen neue Möglichkeiten.
Während Carter und sein Team in den nächsten 12 bis 24 Monaten die Kommerzialisierungsziele anstreben, stellt sich nicht die Frage, ob Batterien in der Schifffahrt eine Rolle spielen werden. Diese Debatte ist weitgehend entschieden. Die eigentliche Frage ist vielmehr, wie weit und wie schnell diese Entwicklung gehen kann.
Wenn Carter Recht hat, könnte die Antwort lauten: viel weiter, als irgendjemand erwartet hat.