Die Weltschifffahrtsuniversität (WMU) hat einen neuen Bericht mit dem Titel „Auf der Suche nach einem Gleichgewicht zwischen See- und Privatleben in einer widrigen Umgebung“ veröffentlicht. Dieser beleuchtet die Realität von Arbeit, Gesundheit und Karriereplänen von Seeleuten in der heutigen Schifffahrtsindustrie. Die von der Offiziersvereinigung der Internationalen Seeleute (OUIS) in Auftrag gegebene Studie basiert auf den Antworten von 4.372 Seeleuten aus 99 Nationen und zählt damit zu den umfassendsten aktuellen Untersuchungen zum Leben und Arbeiten auf See.
Die Ergebnisse weisen auf anhaltend lange Arbeitszeiten, begrenzte Erholungs- und Landgangsmöglichkeiten sowie ein hohes Maß an arbeitsbedingtem Stress hin. Rund ein Drittel der Befragten wurde als stark oder potenziell gefährlich gestresst eingestuft, während die Werte für psychisches Wohlbefinden darauf hindeuten, dass ein erheblicher Anteil der Seeleute einem Risiko für psychische Erkrankungen ausgesetzt sein könnte. US-amerikanische Seeleute, die im Fokus der Studie standen, berichteten trotz kürzerer Vertragslaufzeiten von besonders hoher Arbeitsbelastung, verlängerten Arbeitszeiten sowie administrativem und Kontrolldruck.
Der Bericht äußert zudem Bedenken hinsichtlich der zukünftigen Nachhaltigkeit der maritimen Arbeitskräfte. Fast die Hälfte aller Befragten gab an, die Seefahrt innerhalb der nächsten fünf Jahre verlassen zu wollen. Als Hauptgründe wurden psychische Probleme und Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen genannt. Laut den Autoren stellen diese Entwicklungen ernsthafte Risiken für die Sicherheit, die operative Stabilität sowie die langfristige Rekrutierung und Bindung von Fachkräften in der globalen Schifffahrtsbranche dar.
Die Studie, die von Forschern der WMU mit akademischem und seefahrendem Hintergrund durchgeführt wurde, fordert dringende, koordinierte Maßnahmen von Regulierungsbehörden, Reedern und anderen Interessengruppen, um übermäßige Arbeitsbelastungen zu reduzieren, administrative Hürden abzubauen und die Gesundheit und das Wohlbefinden der Seeleute in den Mittelpunkt der maritimen Politik und Praxis zu stellen.
Den vollständigen Bericht finden Sie unter https://commons.wmu.se/lib_reports/93/ .